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Meine Halbzeit

Genau heute ist die Hälfte meiner Zeit im Freiwilligendienst in Sambia um. Vor 168 Tagen bin ich in Lusaka gelandet, um das wohl aufregendste Jahr meines bisherigen Lebens zu beginnen; und in 168 Tagen heißt es Abschied nehmen und meine lange Heimreise antreten.
Zum Anlass des heutigen Tages möchte ich Euch mit auf eine kleine Reise nehmen, eine Reise durch meine Gedanken- und Gefühlswelt. Wie ich schon vor einigen Wochen im Zwischenseminar festgestellt habe, ist es gar nicht so leicht, die bisherige Zeit im Projekt zu evaluieren und versuchen herauszufiltern, ob die positiven oder die bedrückenden Gefühle in Bezug auf die Halbzeit überwiegen. Das lässt sich sowohl darauf beziehen, dass ich nochmal genau so lange hierbleibe – und damit genau so lange weg von meinem zu Hause – aber auch, dass ich schon ab morgen weniger Zeit in Sambia vor mir habe, als hinter mir und man sich schon bald von allen und allem hier verabschieden muss. Schließlich hat sich hier ein ganz neues Leben für mi…

Die symbolische Halbzeit – das Zwischenseminar, und was sonst noch so los ist

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In einem Monat, am 21. Februar, habe ich genau die Hälfte meiner Zeit im Freiwilligendienst in Sambia verbracht. Doch ich bin bereits Ende letzter Woche von meinem Zwischenseminar, welches die Halbzeit markiert, zurück nach Hause gekommen. Doch wie sieht so ein Zwischenseminar überhaupt aus? Wie verbringt man die normalerweise winterliche Weihnachtszeit in Sambia? Und was habe ich eigentlich sonst so in den letzten zwei Monaten gemacht, in denen ich nichts habe von mir hören lassen?
Ein Schuljahr in Sambia, beginnend im Januar, ist in drei Terms aufgeteilt. Dazwischen sind jeweils vier bis fünf Wochen Ferien, weswegen ich schon ab Anfang Dezember frei hatte. Nachdem ich mich am 06. Dezember mit der typisch deutschen Nikolaus-Tradition bei den Boardingkindern verabschiedet habe – die das Schuhe Putzen sehr ernst genommen haben – ging es einen Tag später für mich nach Lusaka. Dort habe ich meinen ersten von einigen Besuchern aus Deutschland abgeholt, und dann ging es auch direkt wieder z…

Im Busch Sambias

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Jetzt bin ich doch an dem Punkt angekommen, wo ich wochenlang auf einen neuen Blogeintrag warten lasse. Ich konnte mich aber nun aufraffen und diesen sonnigen und gemütlichen Sonntrag zu nutzen und mich mit meinem Laptop auf die Terrasse setzen. Damit kommt direkt das nächste Problem: Über was möchte ich heute schreiben?
Natürlich ist in den letzten Wochen viel passiert, was mich auch daran gehindert hat schon früher etwas von mir hören zu lassen. Aber der Hauptgrund dafür ist, dass ich vermutlich einfach komplett angekommen bin. Ich habe seit Monaten mal wieder einen richtigen Alltag, der mich auf Feierabend und Wochenenden freuen lässt. Und gerade in dieser Freizeit bin ich dann oft zu faul oder zu müde um mich aufzuraffen und über meine letzten Wochen zu schreiben; da ist das Sofa im Garten, ein gutes Buch und frisch servierter Kaffee auch nicht gerade hilfreich, meinen inneren Schweinehund zu überwinden.
Heute versuche ich also einfach mal die letzten Wochen ein bisschen zusam…

3. Oktober 2018 – Ein Abend in der Deutschen Botschaft

Anfang Oktober; jeder Mensch in Deutschland wartet sehnsüchtig auf den dritten des Monats. Doch warum? Weil man jedes Jahr den Nationalfeiertag so ausgiebig feiert? Wohl kaum, sondern eher weil man dort frei hat: keine Arbeit, keine Schule, keine Uni. Ich musste achtzehn Jahre alt werden und über 8.000 Kilometer reisen, um das erste mal in meinem Leben diesen Tag der Deutschen Einheit zu feiern.
Die Deutsche Botschaft in Sambia pflegt es alljährlich für den 03. Oktober alle deutschen Freiwilligen, die ihren Dienst in Sambia absolvieren, einzuladen. Und auch eigentlich sonst jeden, der sich länger hier aufhält. Auf mehrere Empfehlungen hin habe ich diese Einladung gerne angenommen, das bedeutete allerdings wieder eine Fahrt nach Lusaka – dort befindet sich die Botschaft nämlich.
Für den Hinweg hatte ich den Luxus, dass Luke zufällig auch nach Lusaka musste und mich im Auto am Sonntag mitgenommen hat. Ein Luxus zumindest im Gegensatz zu der Busfahrt; allerdings sind die Straßen hier …

Mein Alltag und wie es ist weiß zu sein

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Von meinen Wochenenden in Sambia habe ich ja bereits schon etwas erzählt. Aber jetzt mal zu dem Eigentlichen, weswegen ich hier bin: Mein Alltag in meinem Projekt.
Mein Tag beginnt bereits sehr früh; um 5.30 Uhr klingelt mein Wecker. Die Boardingkinder müssen um 5.45 Uhr aufstehen, und es ist mein Job sie zu wecken. Wahrscheinlich ahnt ihr, dass das nicht immer so leicht ist: acht verschlafene Kinder, die am Vorabend bis tief in die Nacht gequatscht haben, statt zu schlafen, und sich wundern, warum sie am nächsten Tag so müde sind. Während die Kinder sich dann mühsam aus dem Bett bewegen und sich dabei alle Zeit der Welt lassen, schmiere ich die Brote und fülle Saft in ihre Flaschen für die Schule. Zum Glück habe ich bei der morgendlichen Arbeit Hilfe von Alice, der Köchin des Boardinghouses. Fünf Minuten, bevor die Kinder das Haus verlassen müssen, kommen auch die letzten gemütlich in die Küche getrudelt, um sich ihr Frühstück (Porridge) abzuholen. Dabei bin ich jeden Morgen auf`s N…

Meine ersten Wochenenden – von der „Kitchen-Party“ und der Farm

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Bereits mein drittes Wochenende in Sambia neigt sich dem Ende. Doch viele fragen mich: „Wie sieht eigentlich ein typisches Wochenende bei dir aus?“ Die Antwort darauf: Es gibt kein typisches Wochenende, zumindest bisher noch nicht. Fünf Boardingkinder sind auch an den freien Tagen der Woche hier, was bedeutet, dass auch dann immer was los ist. Neben gemeinsamen Freizeitaktionen (heute zum Beispiel waren wir alle zusammen schwimmen) möchte ich euch von zwei besonderen Erlebnissen erzählen, die sich an den letzten zwei Samstagen ereigneten.

Die Farm: Am letzten Samstag – der erste Samstag in meiner Gastfamilie – haben wir einen Ausflug zu Lukes Farm gemacht. Mit Luke, Lars (einem dänischen Freund, der ebenfalls freiwillig für eine Organisation arbeitet) und den Kindern ging es dann los: Nach einer halben Stunde Fahrt auf fester Straße folgten dann zehn Kilometer durch den Busch. Dabei passierten wir mehrere kleine Siedlungen mit Hütten und viele Einheimische, die uns interessiert hinter…

Die ersten zwei Wochen - das Unbekannte und Neue

Über zwei Wochen ist es jetzt her, dass ich am Frankfurter Flughafen saß und in ein Jahr voller Unbekanntem fliege. Vor dem Security-Check musste ich mich dann auch von meinen letzten Liebsten verabschieden, bevor ich für siebzehn Stunden auf mich allein gestellt war. Das erste mal alleine fliegen, das erste mal nach Afrika - man kann sich vorstellen, wie nervös und aufgeregt ich war. Am 06. September bin ich dann mittags in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, gelandet und wurde dort von Christopher in Empfang genommen. Nach der erfolgreichen Pass- und Visumkontrolle und dem ersten Treffen mit einem Unbekannten wurde ich wesentlich ruhiger. Wir sind dann mit dem Auto zum Hostel in Lusaka gefahren. Christopher hat mich nach meinem ersten Eindruck von Afrika gefragt, die Antwort weiß ich bis heute noch nicht. Alles ist so anders aber doch auch so gleich, zumindest in Lusaka. Der größte Schock: Linksverkehr! Das war mir nicht bewusst und ich werde vermutlich noch lange brauchen, um mich dara…